Masken aus Villingen

Wer als Hobby-Holzbildhauer in einer Narrenstadt wie Villingen lebt oder eine Zeit lang gelebt hat, der kommt nicht umhin, sich auch einmal als Maskenschnitzer – in Villingen sagt man „Schemen-Schnitzer“ – zu versuchen. Bei mir liegt dieser erste Versuch mehr als ein halbes Jahrhundert zurück und entsprechen zahlreich sind die dabei entstandenen Stücke mit den Schnitzerinitialen >TW< auf der Innenseite.
Villinger Schemen sind aber mehr als nur Bildhauerprodukte. Ihre Vollendung erhalten sie durch eine kunstgerechte Fassung, die aus mehreren Kreidegrundierungen, Farblasuren und Lacküberzügen besteht und daher nicht einfach nur als „Bemalung“ bezeichnet werden kann.
In der historischen Villinger Fastnacht ( Link:   www.Narro.de ) spielen drei Narrenfiguren mit jeweils besonderen Maskentypen eine Rolle:

 

Der Narro

Maske mit ursprünglich spätbarock-liebkich lächelndem Puttengesicht, seit der Biedermeierzeit mit klassisch-ebenmäßigem Gesichtsschnitt, der weder männliche noch weibliche Züge aufweist, dafür aber ein charakteristisch-geheimnisvolles Lächeln, das der Maske etwas Unnahbares verleiht...   und dem Bildhauer höchste Konzentration abverlangt.

Narro aus 2004Narro um 1986Narro aus 2004

   

Der Surhebel

Das lebensrealistische Gegenstück zur ästhetisch-schönen Narromaske: ein grießgrämiger Kritiker mit sarkastisch-unfrohem, sehr oft aber auch spöttisch-überheblichem Ausdruck, in vielen Fällen mit Porträt-Charakter.

 

aus 1990aus 2005aus 2004

   

Das Morbili

Der Typ einer alten, vom Leben gezeichneten Frau, der aber trotz harter Lebenserfahrungen der Sinn für verstehenden, manchmal auch spöttischen Humor nicht abhanden gekommen ist. Wie beim Surhebel haben auch diese Masken sehr oft Porträtcharakter.

 

Morbili aus 2004Morbili um 2000Morbili aus 2004

   

Die Alt Villingerin

Die historische Tracht der Villinger Bürgerinnen mit Seidenschürze, Kaschmirschal und goldener oder schwarzer Radhaube hat eigentlich mit der Fastnacht nichts zu tun. Aber als traditionelle Begleiterin des Villinger Narros gehört sie eben doch dazu. Und in diesem Falle trägt sie auch eine geschnitzte Holzmaske, ein anonymes aber möglichst sympathisches Frauengesicht. Selbstverständlich gibt es in Villingen etliche Masken dieser Art mit dem Schnitzerzeichen TW auf der Innenseite.

Alt Villingerin

   

Masken aus Donaueschingen und Rottweil

Die Villinger Maskentradition ist nur ein Teil der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht. Es gibt noch viel mehr interessante Narren- und Maskentypen darum herum. Wenn man in Donaueschingen aufgewachsen ist, möchte man sich als Maskenschnitzer natürlich auch einmal an einer „Eschinger“ Hansellarve versuchen und herausfinden, wodurch sie sich von den Villinger „Schemen“ unterscheidet, umso mehr, wenn der Donaueschinger Hansel die allererste Narrenfigur war, der man im Leben überhaupt begegnet ist.

Die Rottweiler Fastnacht ist sicherlich die bunteste ihresgleichen. Sie hat eine Menge unterschiedlicher Larventypen, von denen das „Biss“ und der teufelsgesichtige „Federehannes“ vielleicht die auffälligsten sind. Nur so zum Spass oder „zu Studienzwecken“ sollte sich ein Villinger Schemenschnitzer auch einmal mit den Holzlarven dieser Konkurrenz befasst haben. Bis jetzt gibt es nur vier Rottweiler Larven mit dem Schnitzerzeichen TW. Wahrscheinlich bleibt es auch dabei.

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Tibetische Kultmasken

Wer tibetische Maskenkultur erleben will, braucht nicht unbedingt über den Kamm des Himalaya ins eigentliche Tibet. Auch in Bhutan am Ostende des großen Gebirges gibt es solche Masken und die bhutanischen Klosterfeste sind wahre Maskenorgien. Wenn ein Maskenschnitzer – egal woher er kommt – bei einer solchen Veranstaltung nicht aus dem Häuschen gerät, ist er wahrscheinlich nicht ganz normal. Natürlich möchte man wenigstens eines dieser verrückten Stücke mit nach Hause nehmen, aber das ist in Bhutan streng verboten. Doch das Nachschnitzen in der häuslichen Werkstatt anhand von Fotos natürlich nicht. Die Feinheiten der tibetisch-bhutanischen Maskenkultur erschließen sich bei dieser Tätigkeit fast von allein, vor allem, wenn man den abschließenden Arbeitsgang des Fassens miteinbezieht.